Glutenfreie Produkte gelten als gesünder, obwohl es für Menschen ohne Zöliakie keinen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt. Ermöglicht wird dieser Eindruck unter anderem durch die EU-Verordnung Nr. 828/2014, die die Kennzeichnung „glutenfrei“ erlaubt, ohne eine medizinische Indikation beim Käufer vorauszusetzen. Kombiniert mit Influencer-Kommunikation und Gesundheitsmedien, die selten zwischen Zielgruppen differenzieren, hat sich Glutenfreiheit als implizites Gesundheitsmerkmal im Markt etabliert.
Die Datenlage ist eindeutig. Eine Studie mit rund 110.000 Teilnehmern, publiziert im British Medical Journal, fand keinen Zusammenhang zwischen Glutenverzehr und dem Risiko für koronare Herzkrankheit bei Gesunden. Glutenfreie Produkte weisen häufig Defizite bei Ballaststoffen, Folsäure, Eisen, Zink, Magnesium und Kalzium auf. Für Menschen mit Zöliakie ist die glutenfreie Ernährung lebensnotwendig, für alle anderen ist sie weder nötig noch risikofrei.
Dies zeigt, wie Kennzeichnungslogiken und Marktinteressen einen Ernährungstrend ohne wissenschaftliche Grundlage für Gesunde salonfähig machen können.
Quellen:
Lebwohl, Benjamin et al.; Long term gluten consumption in adults without celiac disease and risk of coronary heart disease: prospective cohort study; in: BMJ 357 (2017); doi: 10.1136/bmj.j1892.
Penagini, Francesca et al.; Gluten-Free Diet in Children: An Approach to a Nutritionally Adequate and Balanced Diet; in: Nutrients 5:11 (2013); doi: 10.3390/nu5114553.
Vici, Giorgia et al.; Gluten free diet and nutrient deficiencies: A review; in: Clinical Nutrition 35:6 (2016); doi: 10.1016/j.clnu.2016.05.002.