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Schweden als Vorbild

Schweden als Vorbild: Das FEBPH fordert einen Neustart der deutschen Präventionspolitik, mit Schweden als Vorbild für evidenzbasierte, strukturelle Gesundheitsvorsorge.

Schweden als Vorbild: Neues Forum fordert Neustart der deutschen Präventionspolitik

  • Mit einem parlamentarischen Abend in Berlin hat das neu gegründete Forum for Evidence-Based Preventative Health (FEBPH) seinen öffentlichen Auftakt gesetzt und damit den Startschuss für eine stärker evidenzbasierte Präventionsdebatte in Deutschland gegeben.

  • Der renommierte schwedische Public-Health-Experte Johan Carlson zeigte, warum Schweden international als Vorbild gilt: durch einen Focus auf evidenzbasierte Maßnahmen, verlässliche Gesundheitsdaten und Präventionsangebote, die gesundes Verhalten im Alltag erleichtern.

  • Prof. Dr. Eva Grill ordnete ein, warum Deutschland trotz starker Forschung hinter diesem Anspruch zurückbleibt und weshalb Prävention hierzulande stärker als staatliche Strukturaufgabe verstanden werden muss.

Berlin, 12. Juni 2026 – Deutschland diskutiert viel über Prävention, Schweden zeigt, wie Prävention im Alltag mit Hilfe von Evidenz und Vertrauen zu einem längeren und gesünderen Leben der Menschen führt. Daraus könnte auch Deutschland etwas lernen. Mit dieser Botschaft hat das neu gegründete Forum for Evidence-Based Preventative Health (FEBPH) am 11. Juni 2026 in Berlin seine Arbeit begonnen. Bei einem parlamentarischen Abend kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Gesundheitswesen zusammen, um zu diskutieren, was Deutschland von der schwedischen Präventionspolitik lernen kann.

Startschuss für neues Forum und für eine neue Präventionsdebatte

Der Abend markierte den Startschuss für das FEBPH. Die gemeinnützige Organisation will künftig eine Brücke zwischen Wissenschaft, Medien und Gesundheitspolitik schlagen und evidenzbasierte Prävention stärker in den politischen Diskurs bringen. Ausgangspunkt ist eine zentrale Diagnose: Prävention scheitert in Deutschland nicht in erster Linie am Geld, sondern an fehlender Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Empfehlungen, die im Alltag viele Menschen kaum erreichen. „Schweden war für diesen Abend keine beliebige Wahl. Das Land liefert den international wohl überzeugendsten Beleg dafür, was passiert, wenn evidenzbasierte Prävention konsequent als politische Daueraufgabe verstanden wird: höhere Lebenserwartung, mehr gesunde Lebensjahre, größeres Institutionenvertrauen. Das macht das Land zum geeigneten Referenzpunkt für eine sachliche, lösungsorientierte Debatte über die Zukunft der Prävention in Deutschland“, sagte Prof. Dr. Frank-Ulrich Fricke, Senior Scientific Advisor des FEBPH.

Dr. Stephan Pilsinger, der als Mitglied des Bundestags die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernahm, stellt fest: „Prävention ist ein entscheidender Grundstein dafür, dass Menschen länger gesund leben können.  Aus diesem Grund wollen wir gemeinsam mit unserem Koalitionspartner die Novellierung des Präventionsgesetzes auf den Weg bringen. Damit ein solches Gesetz erfolgreich sein kann, müssen die darin formulierten Maßnahmen auf Ihre Evidenz hin geprüft werden. Der Blick in andere Länder, insbesondere nach Schweden, kann bei der politischen Umsetzung als Orientierung dienen.“

Warum Schweden als Vorbild gilt

In seiner Keynote erläuterte Johan Carlson, Gründungsdirektor der schwedischen Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten (2014–2021), weshalb Schweden heute als Modell für wirksame Prävention gilt. Das Land habe Gesundheit nicht allein als individuelle Verantwortung definiert, sondern durch politische und institutionelle Strukturen im Alltag der Menschen eingebettet: kostenlose Schulmahlzeiten, steuerfreie Arbeitgeber-Wellnessbudgets, verlässliche Gesundheitsdaten und eine Infrastruktur, die Bewegung erleichtert, machen Prävention dort häufig zur naheliegenden Entscheidung. “Einige Maßnahmen würden hierzulande vielleicht als nicht-umsetzbar oder als zu teuer betrachtet werden. Hier plädieren wir für eine evidenzbasierte Präventionspolitik, die auf Basis vorhandener Evidenz mögliche Maßnahmen prüft und anschließend die Machbarkeit bewertet”, kommentiert Prof. Dr. Fricke die Initiative des Forums weiter. 

Das deutsche Paradox: Exzellente Forschung, strukturelle Lücken

Prof. Dr. Eva Grill, Professorin für Epidemiologie an der LMU München und ehemalige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, stellte dem schwedischen Modell die deutsche Realität gegenüber. Obwohl Deutschland über exzellente Forschung und eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt verfügt, verbringen Menschen hier deutlich weniger Jahre in guter Gesundheit als in Schweden. Die Ursache liege nicht im fehlenden Wissen, sondern in der Lücke zwischen Evidenz und politischer Umsetzung.

Grill benannte zwei strukturelle Defizite: Deutschland fehlten einheitliche, hochauflösende Echtzeit-Gesundheitsdaten, mit denen Präventionserfolge kurzfristig messbar gemacht werden können. Zudem werde Prävention häufig als individuelle Pflicht verstanden – nach dem Muster „Essen Sie besser, bewegen Sie sich mehr“ –, statt als staatliche Aufgabe, gesunde Entscheidungen im Alltag einfacher zu machen. Gerade sozial benachteiligte Gruppen würden dadurch systematisch schlechter erreicht.

Forderung: Deutschland braucht Prävention nach dem Schweden-Prinzip

Aus Sicht des FEBPH zeigt Schweden, woran sich eine moderne deutsche Präventionspolitik messen lassen muss: an wissenschaftlicher Evidenz, unabhängigen Institutionen, belastbaren Gesundheitsdaten und niedrigschwelligen Angeboten, die Menschen im Alltag tatsächlich erreichen. Das Forum fordert daher: Prävention müsse als staatliche Strukturaufgabe verstanden werden und nicht als moralischer Appell an den Einzelnen. Der Berliner Auftakt soll dafür den Beginn einer dauerhaften Debatte markieren.

 

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